Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten und betreffen weltweit Millionen Menschen: Das Wissen über die Entzündung der ableitenden Harnwege ist bei vielen Menschen in Europa allerdings gering. So offenbart eine aktuelle internationale Erhebung im Auftrag der Europäischen Gesellschaft für Urologie, der European Association of Urology (EAU), erhebliche Wissenslücken bei Harnwegsinfektionen und Blasenentzündungen in der europäischen Bevölkerung. Demnach wissen viele der Befragten nicht, was eine Blasenentzündung ist und wie sie vorbeugen können. Auch bei der Behandlung mit Antibiotika gibt es besorgniserregende Irrtümer, die dazu führen können, dass Antibiotika nicht mehr wirken. Die EAU fordert deshalb dringend eine bessere Aufklärung, um Infektionen zu vermeiden und die zunehmende Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen zu verlangsamen.
Harnwegsinfektionen und Blasenentzündungen sind weit verbreitet
Harnwegsinfekte, kurz HWI, sind nach Atemwegsinfektionen die zweithäufigste Infektion und treten bei Frauen deutlich häufiger auf als bei Männern. Etwa 50–60 Prozent aller Frauen erkranken mindestens einmal im Leben an einer Harnwegsinfektion. Dabei handelt es sich um eine Entzündung der ableitenden Harnwege, die meist durch Bakterien verursacht wird und die Harnröhre, die Harnleiter, die Nieren und vor allem die Harnblase betreffen kann.
Diese spezielle Form der Harnwegsinfektion, bei der die Blase betroffen ist, wird als Blasenentzündung oder medizinisch auch als Zystitis bezeichnet.
Typische Beschwerden sind häufiger Harndrang, Brennen beim Wasserlassen und Schmerzen im Unterbauch. Zusätzlich können Blut im Urin, Fieber und Rückenschmerzen auftreten.
In den meisten Fällen sind Bakterien aus der Darmflora, die über die Harnröhre in die Harnblase gelangen, die Ursache einer Blasenentzündung. Die Behandlung erfolgt vorwiegend durch die Gabe von Antibiotika. In vielen Fällen kann eine unkomplizierte Blasenentzündung aber auch ohne Antibiotika mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln behandelt werden.
Vor allem bei Jüngeren: Europäische Umfrage deckt große Wissenslücken auf
Wie es um das Wissen der europäischen Bevölkerung über Harnwegsinfektionen und Blasenentzündungen steht, hat die EAU jüngst mittels einer Befragung untersucht – die Ergebnisse zeigen große Defizite.
In der Umfrage unter mehr als 3.000 Erwachsenen in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien konnten 35 Prozent der Befragten eine Blasenentzündung nicht korrekt definieren. Manche verwechselten sie mit einer Hauterkrankung oder gar mit einer Nahrungsmittelallergie. Unter den jüngeren Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren ist die Wissenslücke besonders groß: Weniger als die Hälfte (45 Prozent) der befragten Personen konnte eine Blasenentzündung richtig erkennen.
Frauen sind besser informiert
Dass Frauen aufgrund ihrer kürzeren Harnröhre häufiger von Blasenentzündungen betroffen sind, wussten nur 51 Prozent der Befragten. Fast jeder fünfte Mann glaubte sogar, Männer seien stärker betroffen. Frauen zeigten sich hier besser informiert: 63 Prozent wussten um ihr erhöhtes Risiko, an einer Zystitis zu erkranken.
Maßnahmen zur Vorbeugung von Blasenentzündungen kaum bekannt
Obwohl Harnwegsinfektionen mit einfachen Maßnahmen oft vermeidbar sind, ist auch das Wissen über grundlegende Präventionsmaßnahmen besorgniserregend gering:
71 Prozent der Befragten wussten, dass viel Wasser trinken helfen kann, um Bakterien aus der Blase zu spülen.
Lediglich 43 Prozent erkannten die Bedeutung richtiger Hygiene – das heißt nach dem Stuhlgang im Intimbereich von vorne nach hinten wischen, damit weniger Bakterien in die Harnröhre gelangen und in die Blase aufsteigen können.
Nur 35 Prozent wussten, dass Wasserlassen nach dem Geschlechtsverkehr Infektionen vorbeugen kann.
Alle drei wichtigsten Schutzmaßnahmen konnten nur 21 Prozent aller Befragten nennen. Jede sechste befragte Person konnte keine einzige richtige Präventionsmaßnahme benennen.
Alarmiert zeigte sich die Europäischen Gesellschaft für Urologie besonders darüber, dass 17 Prozent der Befragten fälschlicherweise glaubten, die Einnahme von Antibiotika ohne ärztlichen Rat könne Harnwegsinfektionen verhindern.
Irrtümer über die Behandlung mit Antibiotika
Aufklärungsbedarf gibt es auch bei der Behandlung von Harnwegsinfektionen: 16 Prozent der befragten Personen gingen irrtümlich davon aus, dass Antibiotika immer notwendig seien. Fast die Hälfte zeigte sich nicht oder nur unzureichend über die Risiken von Antibiotikaresistenzen informiert.
Antibiotika sind spezielle Medikamente, die zur Behandlung von Infektionen durch Bakterien eingesetzt werden. Durch falsche oder zu häufige Anwendung steigt die Gefahr, dass Antibiotika ihre Fähigkeit verlieren, Bakterien abzutöten und sogenannte Antibiotikaresistenzen entstehen, die die künftige Behandlung von Harnwegsinfektionen erschweren.
Fazit
Die Ergebnisse der EAU-Studie zeigen, dass in der Bevölkerung ein großer Mangel an Wissen über Harnwegsinfektionen und vorbeugende Maßnahmen besteht. Mehr Aufklärung ist dringend nötig – damit weniger Infektionen entstehen und unnötige Antibiotikabehandlungen sowie die weitere Ausbreitung von Resistenzen vermieden werden können.
Weiterführende Informationen
Wenn Sie ihr Wissen über Harnwegsinfektionen erweitern möchten, lesen Sie gerne direkt hier auf der Website der Urologischen Stiftung Gesundheit weiter:
https://urologische-stiftung-gesundheit.de/organe-und-haeufige-erkrankungen/haeufige-erkrankungen-der-harnblase/blasenentzuendung-ursachen-symptome-und-behandlung/
https://urologische-stiftung-gesundheit.de/schmerzen-beim-wasserlassen-ursachen-und-selbsthilfe/
https://urologische-stiftung-gesundheit.de/ratgeber/nieren-und-harnwegsinfektionen/
https://urologische-stiftung-gesundheit.de/besser-leben-mit-harnwegsinfektionen/
Weitere Informationen zu der EAU-Befragung finden Sie in englischer Sprache unter folgendem Link:
https://urologyweek.org/urgent-awareness-gap-1-in-3-europeans-unfamiliar-with-cystitis-half-unaware-women-are-most-at-risk/
