Ein Vollbart steht für Stärke, ein Dreitagebart für Lässigkeit und ein Schnurrbart für Individualität. Doch im November bekommt die Gesichtsbehaarung eine ganz besondere Bedeutung: Sie wird zum Symbol für Männergesundheit. Die weltweite Movember-Bewegung macht mit dem Schnurrbart u. a. auf Prostatakrebs, Hodenkrebs und psychische Erkrankungen aufmerksam. Dahinter steckt eine ernste Botschaft: Männer sollten sich auch viel mehr um ihre Gesundheit kümmern.

Vom Zeichen der Macht zum modischen Statement

Bärte sind von jeher weit mehr als Haare im Gesicht. Seit Jahrtausenden gelten sie als Ausdruck von Männlichkeit, Stärke und Persönlichkeit. In der Antike trugen Philosophen ihre Bärte als Zeichen von Weisheit und Würde. Bei den Wikingern stand eine üppige Gesichtsbehaarung für Kraft und Wehrhaftigkeit. Später wurde der Bart zum Statussymbol, verschwand zeitweise aus der Mode und feierte schließlich sein Comeback.

Auch heute besitzt jede Bartform ihre eigene Symbolik. Der Vollbart etwa vermittelt Selbstbewusstsein und Natürlichkeit. Der sorgfältig gestutzte Dreitagebart steht für eine Mischung aus Lässigkeit und gepflegtem Auftreten. Ein Kinnbart kann markante Gesichtszüge betonen. Und der Schnurrbart? Nun, der gilt als besonders auffälliges Statement, das zwischen Retro-Charme, Extravaganz und Individualität pendelt.

Natürlich verrät die Bartform nicht zuverlässig, welchen Charakter ein Mann besitzt. Doch sie beeinflusst, wie er wahrgenommen wird und wie er sich selbst präsentieren möchte. Der Bart ist damit längst zu einer Art persönlichem Markenzeichen geworden.

Immer im November erhält insbesondere der Schnurrbart allerdings eine zusätzliche Bedeutung. Er steht dann nicht nur für Stil, sondern auch für Solidarität, Aufklärung und einen bewussteren Umgang mit der eigenen Gesundheit.

Movember: Ein Schnurrbart für die Männergesundheit

Die Idee entstand 2003 in Australien. Eine Gruppe von Freunden wollte den damals wenig beliebten Schnurrbart wieder gesellschaftsfähig machen. Aus der zunächst humorvollen Aktion entwickelte sich schließlich eine internationale Gesundheitsbewegung.

Der Name Movember setzt sich aus dem australischen Slangwort „Mo“ für Moustache, also Schnurrbart, und dem Wort November zusammen. Die Teilnehmer lassen sich zu Beginn des Monats traditionell glattrasieren und anschließend 30 Tage lang einen Schnurrbart wachsen.

Dabei geht es nicht darum, wer am Monatsende den prächtigsten Oberlippenbart vorweisen kann. Vielmehr soll die ungewöhnliche Gesichtsbehaarung Aufmerksamkeit wecken und Gespräche anstoßen. Denn ein auffälliger Schnurrbart provoziert Nachfragen – und bietet damit die Gelegenheit, über Themen zu sprechen, die viele Männer sonst lieber vermeiden.

Inzwischen ist der Movember sogar eine weltweite Bewegung, die Spenden für Forschung, Prävention und Unterstützungsangebote sammelt. Im Mittelpunkt stehen drei große Bereiche: Prostatakrebs, Hodenkrebs sowie psychische Gesundheit und Suizidprävention.

Auch die Urologische Stiftung Gesundheit fühlt sich seit Jahren der Idee und dem Wirken der Movember-Bewegung verbunden.

Prostatakrebs: Früherkennung statt Verdrängung

Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Männern. Besonders tückisch ist, dass die Erkrankung im Frühstadium häufig keine Beschwerden verursacht. Probleme beim Wasserlassen, Blut im Urin oder Schmerzen treten nicht zwangsläufig auf und können auch andere Ursachen haben.

Umso wichtiger ist es, sich rechtzeitig mit der Früherkennung auseinanderzusetzen. Eine zentrale Rolle spielt dabei der PSA-Test. Er misst im Blut die Menge des prostataspezifischen Antigens (PSA), eines Eiweißes, das fast nur in der Prostata gebildet wird. Ein erhöhter Wert kann dabei auf Prostatakrebs hinweisen, aber auch harmlose Ursachen haben, etwa eine gutartige Vergrößerung der Prostata, eine Entzündung oder einen Harnwegsinfekt.

Deshalb bedeutet ein auffälliger PSA-Wert keineswegs automatisch eine Krebsdiagnose. Umgekehrt kann ein unauffälliger Wert eine Erkrankung nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen. Deshalb ist es wichtig, den Wert vom Urologen oder der Urologin fachkundig bewerten zu lassen.

In Deutschland empfiehlt die aktuelle medizinische S3-Leitlinie Männern ab 45 Jahren, sich über die Möglichkeiten der Prostatakrebs-Früherkennung zu informieren und eine individuelle Entscheidung zu treffen. Bei familiärer Vorbelastung kann auch eine frühere Beratung sinnvoll sein.

Der Movember ist eine gute Gelegenheit, dieses Gespräch mit dem Hausarzt oder dem Urologen zu führen.

Hodenkrebs: Auch junge Männer sind betroffen

Während Prostatakrebs vor allem mit zunehmendem Alter häufiger wird, betrifft Hodenkrebs in der Regel jüngere Männer. Besonders oft wird die Erkrankung zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr diagnostiziert.

Zu den möglichen Warnzeichen gehören eine schmerzlose Verhärtung oder Schwellung eines Hodens, eine Veränderung seiner Größe oder ein ungewohntes Schweregefühl im Hodensack. Ein erhöhtes Risiko haben Männer, bei denen in der Kindheit ein Hoden nicht von selbst in den Hodensack gewandert war (Hodenhochstand).

Männer sollten deshalb ihren Körper kennen und auf Veränderungen achten. Wer einen Knoten oder eine andere Auffälligkeit bemerkt, sollte diese zeitnah urologisch abklären lassen. Doch auch hier gilt: Nicht jede Veränderung bedeutet gleich Krebs. Eine frühzeitige Diagnose verbessert jedoch die Behandlungsmöglichkeiten.

Die gute Nachricht: Hodenkrebs lässt sich bei rechtzeitiger Behandlung in den allermeisten Fällen heilen. Mehr als neun von zehn Betroffenen überstehen die Erkrankung.

Psychische Gesundheit: Stärke heißt auch, Hilfe anzunehmen

Nicht alle gesundheitlichen Probleme sind von außen sichtbar. Das gilt insbesondere für Depressionen, Ängste und seelische Krisen. Viele Männer haben gelernt, Schwierigkeiten möglichst allein zu bewältigen. Gefühle offen zu zeigen oder professionelle Hilfe anzunehmen, passt für manche noch immer nicht zum traditionellen Bild von Männlichkeit.

Genau dieses Rollenverständnis möchte der Movember verändern. Psychische Belastungen sind kein Zeichen von Schwäche. Anhaltende Niedergeschlagenheit, Schlafprobleme, sozialer Rückzug, Gereiztheit oder der Verlust von Lebensfreude können Hinweise darauf sein, dass Unterstützung notwendig ist.

Dabei muss es nicht immer sofort ein therapeutisches Gespräch sein. Manchmal beginnt der Weg zur Hilfe mit einer einfachen Frage unter Freunden: „Wie geht es dir wirklich?“

Wer sich ernsthaft Sorgen um einen Freund, Kollegen oder Angehörigen macht, sollte das Gespräch suchen und Unterstützung anbieten. Bei anhaltenden Beschwerden können Hausärzte, psychotherapeutische Praxen und Beratungsstellen weiterhelfen. In akuten Krisen ist die TelefonSeelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 erreichbar. Bei unmittelbarer Gefahr hilft der Notruf 112.

Männergesundheit beginnt nicht erst beim Arzt

Der Movember soll aber nicht nur auf einzelne Erkrankungen aufmerksam machen. Er erinnert daran, dass Männer ihre Gesundheit aktiv beeinflussen können.

Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf das Rauchen tragen schon viel dazu bei, zahlreichen Erkrankungen vorzubeugen. Ebenso wichtig ist es, Blutdruck, Blutzucker und andere individuelle Risikofaktoren im Blick zu behalten.

Auch Veränderungen der Sexualfunktion, anhaltende Erschöpfung oder Probleme beim Wasserlassen sollten nicht aus Scham verschwiegen werden. Hinter solchen Beschwerden können behandelbare Erkrankungen stecken. Erektionsstörungen etwa sind oft ein frühes Warnzeichen für Gefäßerkrankungen, lange bevor Herz oder Gehirn betroffen sind.

Gesundheitsbewusstsein bedeutet dabei nicht, ständig nach Krankheiten zu suchen. Es geht vielmehr darum, den eigenen Körper ernst zu nehmen, Warnzeichen zu erkennen und medizinische Angebote sinnvoll zu nutzen.

Ein Bart mit einer wichtigen Botschaft

Ob Vollbart, Dreitagebart, Kinnbart oder Schnurrbart: Jeder Mann entscheidet selbst, wie er seine Gesichtsbehaarung trägt. Im Movember wird aus dieser persönlichen Stilfrage ein öffentliches Zeichen für mehr Gesundheitsbewusstsein.

Der Schnurrbart erinnert daran, dass wahre Stärke nicht darin besteht, Beschwerden zu ignorieren oder Probleme allein auszuhalten. Sie zeigt sich auch darin, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen, Vorsorgeangebote zu nutzen und bei Bedarf Hilfe anzunehmen.

Denn während ein Bart innerhalb weniger Wochen wachsen kann, braucht ein gesundheitsbewusstes Leben vor allem eines: langfristige Aufmerksamkeit.

Quellen

https://www.mann-mag.com/der-bart-code; https://en.wikipedia.org/wiki/Movember; https://movember.com

Autor

Dr. Marcus Mau