Für viele Menschen mit einer Blasenentleerungsstörung gehört die Selbstkatheterisierung zum Alltag. Mehrmals täglich müssen sie ihre Blase mithilfe eines Katheters entleeren. Meist werden dafür Einmalkatheter verwendet, die nach jeder Anwendung entsorgt werden.

Doch könnte es auch anders gehen. Wiederverwendbare oder Mehrwegkatheter gelten als umweltfreundlichere und kostengünstigere Alternative. Ob sie im Alltag aber genauso gut funktionieren und von den Betroffenen akzeptiert werden, haben Forschende nun genauer untersucht. Die Ergebnisse wurden im März 2026 auf dem Jahreskongress der European Association of Urology (EAU) in London vorgestellt. Es handelt sich um vorläufige Kongressdaten, die noch nicht begutachtet in einer Fachzeitschrift erschienen sind.

Komfort und Sicherheit sind entscheidend

Wer regelmäßig einen Katheter benutzen muss, achtet nicht nur auf die medizinische Sicherheit. Genauso wichtig ist die Frage, wie gut sich die Methode in den Alltag integrieren lässt. Ist die Anwendung einfach? Fühlt sie sich sicher an? Und wie wirkt sie sich auf die Lebensqualität aus?

Diesen Fragen ging die sogenannte COMPaRE-Studie nach. Sie war als Nicht-Unterlegenheitsstudie angelegt: Geprüft wurde vor allem, ob Mehrwegkatheter bei Harnwegsinfekten nicht schlechter abschneiden als Einmalkatheter. Der Harnwegsinfekt war dabei der wichtigste, vorab festgelegte Messwert. An der Untersuchung nahmen 386 Menschen teil, im Mittel 61 Jahre alt, knapp zwei Drittel Männer. Alle katheterisierten sich wegen eines Harnverhalts selbst, die meisten mindestens fünfmal täglich. Bei etwa einem Drittel lag eine Nervenerkrankung zugrunde. Alle hatten bereits Erfahrung mit der Methode.

Die Studienteilnehmer:innen wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe verwendete Einmalkatheter, die andere wiederverwendbare Katheter. Über einen Zeitraum von einem Jahr berichteten sie regelmäßig über ihre Erfahrungen, ihre Zufriedenheit und ihre Lebensqualität.

Gleiche Lebensqualität, praktischer unterwegs

Nach zwölf Monaten zeigte sich: In der Lebensqualität gab es zwischen beiden Gruppen keinen Unterschied. Auf den verwendeten Fragebögen schnitten Mehrweg- und Einmalkatheter gleich ab. Vor allem unterwegs empfanden sie die Mehrwegkatheter als praktischer, weil sie keine größeren Mengen an Einmalprodukten mitführen mussten.

Die Forschenden vermuten, dass viele Betroffene nach einer Eingewöhnungsphase sicher im Umgang mit den Mehrwegkathetern werden und diese als angenehm empfinden.

Einmalkatheter sind einfacher zu handhaben

Bei der allgemeinen Zufriedenheit lagen jedoch die Einmalkatheter leicht vorne. Sie sind unkomplizierter anzuwenden. Nach der Benutzung werden sie einfach entsorgt und müssen nicht gereinigt oder aufbereitet werden.

Gerade für Menschen, die Wert auf eine möglichst einfache Anwendung legen oder häufig unterwegs sind, kann das ein wichtiger Vorteil sein.

Kein höheres Risiko für Harnwegsinfektionen

Ein häufig genannter Kritikpunkt an Mehrwegkathetern ist die Sorge vor Infektionen. Die aktuelle Studie gibt hier jedoch Entwarnung.

Demnach führen Mehrwegkatheter nicht häufiger zu Harnwegsinfektionen als Einmalprodukte. Damit erscheint die Wiederverwendung sicher, allerdings nur unter dem in der Studie geprüften Verfahren: Der Katheter wurde gespült, in einer Desinfektionslösung (verdünntes Natriumhypochlorit) gelagert, die Lösung täglich gewechselt und das Set alle zwei Wochen ersetzt.

Einen Unterschied gab es allerdings: Rund ein Fünftel der Mehrweg-Nutzer berichtete über leichte Reizungen der Harnröhre, gegenüber etwa fünf Prozent unter Einmalkathetern. Schwere Nebenwirkungen traten dagegen unter Mehrwegkathetern etwas seltener auf.

Gut für Umwelt und Gesundheitssystem

Neben den medizinischen Ergebnissen sprechen auch ökologische Gründe für wiederverwendbare Katheter. Durch den Verzicht auf Einmalprodukte lässt sich nämlich die Menge an Kunststoffabfällen deutlich reduzieren.

Zudem könnten langfristig Kosten im Gesundheitssystem eingespart werden.

Mehr Nachhaltigkeit in der Urologie

Die Studienergebnisse zeigen, dass wiederverwendbare Katheter, sogenannte Mehrwegkatheter, eine interessante Alternative zu Einmalkathetern sein können. Sie bieten bei Harnwegsinfekten eine gleichwertige Sicherheit, schneiden zwar in der Handhabung etwas schlechter ab, können aber zugleich Umwelt und Kosten deutlich entlasten; in der Studie waren sie rund siebenfach günstiger.

Quelle

Christiaans CHH et al., A0495: Patient-reported outcomes of reusable versus single-use catheters in intermittent catheterization for urinary retention: A prospective, randomized, multicenter study (COMPaRE-trial). EAU26 – 41st Annual EAU Congress, London

Autor

Dr. Marcus Mau