Die Brustkrebs-Früherkennung mit Mammografie gehört seit Jahren zur Vorsorge für Frauen. Ein systematisches Prostatakrebs-Screening war dagegen lange umstritten. Der Grund: Es bestand die Sorge, dass zu viele harmlose Tumoren entdeckt und unnötigerweise behandelt werden. Neue Daten vom Kongress der European Association of Urology zeigen nun jedoch, dass moderne Methoden das zukünftig ändern könnten.
Zwei Wege der Krebsfrüherkennung im Vergleich
Eine aktuelle Analyse vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) stellt Daten aus der deutschen Prostatakrebs-Screening-Studie PROBASE den Ergebnissen des gesetzlichen Mammografie-Programms gegenüber. An PROBASE nahmen über 46.000 Männer teil, die alle im Alter von 45 Jahren in die Studie aufgenommen und nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeteilt wurden: eine Gruppe erhielt den ersten PSA-Test mit 45, die andere mit 50 Jahren. Die nun verglichene Auswertung umfasst rund 39.400 dieser Männer.
Das Prinzip ist einfach erklärt: Zuerst wird ein sogenannter PSA-Wert im Blut gemessen. PSA ist ein Eiweiß, das von der Prostata gebildet wird. Ist der Wert niedrig, reicht es, ihn regelmäßig zu kontrollieren. Ist er erhöht (ab 3 ng/ml), folgen genauere Untersuchungen – zum Beispiel eine Magnetresonanztomografie (MRT) und/oder eine Gewebeprobe (Biopsie). Ziel ist es, gefährliche Tumoren früh zu erkennen und gleichzeitig unnötige Eingriffe zu vermeiden.
Wie treffsicher ist das Screening?
Wenn der Test auffällig ist, bestätigt sich beim Prostatakrebs-Screening in etwa 50 bis 68 Prozent der Fälle tatsächlich Krebs. Bei der Mammografie liegt dieser Wert hingegen nur bei etwa 10 Prozent.
Das bedeutet, dass ein auffälliger Befund beim PSA-basierten Screening deutlich häufiger zu einer echten Krebsdiagnose führt als bei der Brustkrebs-Früherkennung.
Der Nachteil: Es gibt mehr Fehlalarme
Beim Prostatakrebs-Screening kommt es allerdings auch häufiger zu sogenannten „Fehlalarmen“ oder falsch-positiven Signalen. Das heißt: Der Test schlägt zunächst an, obgleich sich später kein Krebs bestätigt.
Das betrifft etwa 37 bis 42 Prozent der Männer. Beim Brustkrebs-Screening sind es nur rund 10 Prozent der Frauen.
Für Betroffene kann das belastend sein, weil sie zunächst mit einem Krebsverdacht leben müssen. Deshalb ist eine gute ärztliche Aufklärung besonders wichtig.
Fokus auf wirklich gefährliche Tumoren
Die meisten entdeckten Tumoren sind aber tatsächlich behandlungsbedürftig. Beim Prostatakrebs-Screening sind das etwa 69 bis 74 Prozent der Fälle – ähnlich wie beim Brustkrebs. Zwar werden auch langsam wachsende Tumoren gefunden. Doch diese müssen nicht immer sofort behandelt werden. Viele Männer können zunächst beobachtet werden („aktive Überwachung“), ohne dass direkt operiert oder bestrahlt wird. Das hilft, unnötige Therapien zu vermeiden.
Was bedeutet das für Männer?
Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass ein modernes, risikoadaptiertes Prostatakrebs-Screening heute ähnlich zuverlässig sein kann wie die Mammografie in der Brustkrebs-Früherkennung.
Für Männer bedeutet das: Die Früherkennung entwickelt sich weiter und wird individueller. Der PSA-Test bleibt dabei ein wichtiger erster Schritt, um Auffälligkeiten früh zu erkennen.
Ob es künftig ein organisiertes Screening-Programm für alle Männer geben wird, ist weiterhin offen. Hier spielen neben medizinischen Vorteilen eben auch die Kosten und die Organisation eine Rolle.
Wichtig: Schon heute empfehlen Urologinnen und Urologen eine individuelle, risikoangepasste Früherkennung auf Basis des PSA-Wertes im Blut. Die aktuelle S3-Leitlinie Prostatakarzinom (Version 8.0, Juli 2025) empfiehlt dieses Vorgehen und rät nur in speziellen Fällen zur Tastuntersuchung. Ob der PSA-Test künftig zur Kassenleistung wird, prüft seit Oktober 2025 der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA).
Wer also unsicher ist, sollte das Thema mit seiner Ärztin oder seinem Arzt besprechen.
Quelle
Carlsson SV et al., Risk-adapted Prostate Cancer Screening Achieves Mammography-like Benefits: Evidence and Implications for Europe. Eur Urol 2026;89(3):193–195. DOI: 10.1016/j.eururo.2025.12.002.
Autor
Dr. Marcus Mau
