Brennen beim Wasserlassen, ständiger Harndrang und Unterleibsschmerzen – viele Frauen kennen solche Symptome und denken sofort an eine Blasenentzündung. Doch mitunter steckt etwas ganz anderes dahinter: eine sexuell übertragbare Infektion (STI) – auch Geschlechtskrankheit genannt. Weltweit infizieren sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) jeden Tag rund eine Million Menschen mit einer solchen Infektion.

Dennoch wird bei Symptomen wie Brennen beim Wasserlassen, Harndrang oder Schmerzen häufig zuerst ein Harnwegsinfekt „auf Verdacht“ behandelt, ohne genauere Tests. Und das kann Folgen haben, denn unnötige Antibiotika fördern Resistenzen und übersehene sexuell übertragbare Infektionen können unbehandelt Unfruchtbarkeit oder andere Komplikationen nach sich ziehen.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit aus den USA zeigte unlängst, wie häufig solche Fehleinschätzungen vorkommen und warum eine genaue Abklärung so wichtig ist.

Geschlechtskrankheiten sind ein weltweites Problem

Nach Aussage der WHO zählen Chlamydien, Gonokokken und Trichomonaden zu den häufigsten Erregern von Geschlechtskrankheiten weltweit. Viele dieser Infektionen bleiben allerdings unbemerkt, da sie unspezifische Symptome verursachen oder auch gar keine Beschwerden auslösen.

Treten jedoch Symptome auf, dann führen beide Erkrankungen – Harnwegsinfekte und Geschlechtskrankheiten – nicht selten zu sehr ähnlichen Beschwerden.

Was genau haben die Forschenden herausgefunden?

Das Forschungsteam berichtete im Fachjournal „BMJ Gynecology and Obstetrics Clinical Medicine“, dass:

  • bei fast einem Viertel (23 Prozent) der untersuchten Frauen mit Symptomen tatsächlich eine sexuell übertragbare Infektion vorlag und kein klassischer Harnwegsinfekt.
  • am häufigsten Trichomonas vaginalis (18,8 Prozent), Chlamydia trachomatis (13,3 Prozent) und Neisseria gonorrhoeae (4,5 Prozent) als Erreger gefunden wurden.
  • in knapp fünf Prozent der Fälle sogar Harnwegsinfekt und sexuell übertragbare Infektionen gleichzeitig auftraten.

Risiko von Fehleinschätzungen

Ein weiteres Problem sehen die Studienautoren in der hohen Zahl an Über- und Fehldiagnosen von Harnwegsinfekten. Nur etwa jede zweite Frau mit der Verdachtsdiagnose „Blasenentzündung“ hatte tatsächlich bei näherer Überprüfung eine positive Urinkultur.

Die andere Hälfte erhielt demnach unnötigerweise Antibiotika – ein Problem, welches die Entstehung von Resistenzen, vor allem bei Escherichia coli als häufigstem Erreger von Harnwegsinfekten, weiter begünstige.

Was bedeutet das nun für Patientinnen?

Für Frauen mit Beschwerden im Intimbereich heißt das: Symptome wie Brennen beim Wasserlassen oder häufiger Harndrang sollten nicht automatisch als Blasenentzündung abgetan werden. Eine genaue Untersuchung ist wichtig, weshalb der Gang zum Facharzt für Urologie in jedem Fall dazugehören sollte.

Dieser wird Sie sehr sorgfältig zur Krankengeschichte befragen (Anamnese), eine Urinkultur anlegen, um den Nachweis von Bakterien im Harn zu sichern und gegebenenfalls spezielle Labortests auf Geschlechtskrankheiten durchführen.

Was ist bei der Behandlung zu beachten?

Besteht schließlich doch ein erhöhtes Risiko für eine sexuell übertragbare Infektion, kann manchmal auch eine sofortige Behandlung sinnvoll sein, etwa mit Antibiotika wie Ceftriaxon, Azithromycin oder Doxycyclin, wie die Autoren der Übersichtsarbeit schreiben.

Wichtig ist allerdings die engmaschige Nachsorge, damit die Therapie bei Bedarf angepasst oder auch vom Arzt beendet werden kann. Ebenso entscheidend sei bei Geschlechtskrankheiten, dass auch Sexualpartnerinnen und -partner mitbehandelt werden, um erneute Ansteckungen zu verhindern. Ärztinnen und Ärzte sprechen bei diesen wiederholten gegenseitigen Ansteckungen vom sogenannten „Ping-Pong-Effekt“.

Was ist für den Alltag wichtig

Beschwerden im Harn- und Genitalbereich sind nicht immer so eindeutig voneinander abzugrenzen, wie es auf den ersten Blick scheint. Daher ist es ganz besonders wichtig, auf eine sorgfältige ärztliche Abklärung zu achten. So lassen sich unnötige Medikamentengaben vermeiden und gleichzeitig werden die Risiken für schwerwiegende Folgen und gegebenenfalls eine Weiterübertragung der Erreger vermindert.

Sie möchten gern noch mehr zu den Themen Harnwegsinfektionen und Geschlechtskrankheiten erfahren? Dann finden Sie unter den folgenden Links der Urologischen Stiftung Gesundheit weitere Informationen:

  1. Geschlechtskrankheiten 2025: Anstieg von Syphilis & Gonorrhoe
  2. Alles über Harnwegsinfektionen: Symptome, Ursachen und Behandlung
  3. Blasenentzündung: Ursachen, Symptome und Behandlung

Quelle

Celeghini PD et al. Systematic literature review and meta-analysis of urinary tract infections and sexually transmitted infections in symptomatic women: prevalence, patterns and clinical implications. Gynecology and Obstetrics Clinical Medicine 2025; 5: e000222