Der PSA-Test (PSA = prostataspezifisches Antigen) zur Früherkennung von Prostatakrebs wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Kritiker verweisen auf Überdiagnosen und unnötige Behandlungen, Befürworter sehen die Chance, tödliche Tumoren früher zu erkennen. Eine neue Langzeitauswertung der größten europäischen Studie zum Prostatakrebs-Screening liefert nun wichtige neue Daten, mit einem klaren Ergebnis: Der PSA-Test rettet Leben.

Europas größte Screening-Studie seit den 1990er-Jahren

Die European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC) wurde bereits 1993 gestartet. Ziel war es, zu klären, ob regelmäßige PSA-Tests die Sterblichkeit durch Prostatakrebs tatsächlich senken können. An der Studie beteiligten sich acht europäische Länder.

Für die Auswertung wurden die Daten von insgesamt 162.236 Männern im Alter zwischen 55 und 69 Jahren analysiert. Die Teilnehmer waren zufällig auf zwei Gruppen verteilt: Eine Gruppe erhielt regelmäßige Einladungen zu PSA-Tests, die andere nicht. Anschließend verfolgten die Forschenden über Jahrzehnte hinweg, wie viele Männer der jeweiligen Gruppe an Prostatakrebs starben.

23 Jahre Nachbeobachtung: Deutlich weniger Todesfälle mit Test

Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 23 Jahren zeigte sich jetzt ein klarer Effekt. In der Screening-Gruppe mit PSA-Test starben 13 Prozent weniger Männer an Prostatakrebs als in der Vergleichsgruppe ohne Einladung zum Test. Insgesamt betrachtet, verhinderte das PSA-Screening einen Todesfall pro 456 Männer, die zum Test eingeladen wurden.

Zum Vergleich führen die Forschenden eine frühere Auswertung nach 16 Jahren an. Dort lag diese Zahl noch bei 628 Männern. Der Nutzen des Screenings nimmt also mit der Zeit weiter zu, so ihre Schlussfolgerung.

Mehr Diagnosen, aber nicht zwangsläufig mehr Todesfälle

Gleichzeitig bestätigte die Studie auch einen bekannten „Nachteil“ des PSA-Tests. In der Screening-Gruppe wurde deutlich häufiger Prostatakrebs diagnostiziert als bei Männern ohne Screening. Das Risiko für eine Krebsdiagnose war mit Test um etwa 30 Prozent erhöht.

Das bedeutet aber auch, dass viele der entdeckten Tumoren ohne PSA-Test vermutlich nie aufgefallen wären und möglicherweise auch nie Beschwerden verursacht hätten. Urologen sprechen hier von möglichen Überdiagnosen.

Besseres Verhältnis von Nutzen und Schaden

Trotzdem bewerten die Forschenden das Ergebnis ihrer Studie insgesamt positiv. Denn über die lange Beobachtungszeit zeigte sich ein verbessertes Verhältnis von Nutzen und möglichen Schäden. Besonders aussagekräftig sei dabei eine weitere Zahl: Von zwölf Männern, bei denen durch das Screening Prostatakrebs diagnostiziert wurde, konnte ein Todesfall verhindert werden. Auch dieser Wert habe sich im Vergleich zu früheren Auswertungen verbessert.

Wie geht es weiter mit der Prostatakrebs-Früherkennung?

Die Studienautoren schlussfolgern am Ende, dass der PSA-Test langfristig Leben retten kann. Er sollte aber gezielter eingesetzt werden. Künftig empfehlen die Autoren risikobasierte Screening-Strategien, etwa abhängig von Alter, familiärer Vorbelastung oder genetischen Faktoren. So ließe sich die Zahl unnötiger Diagnostik reduzieren, ohne den lebensrettenden Effekt zu verlieren.

Lese-Empfehlung

Aktuelle Informationen rund um den PSA-Test beim Urologen gibt es auch hier auf den Seiten der Urologischen Stiftung Gesundheit:

Quelle

Roobol MJ et al., European Study of Prostate Cancer Screening — 23-Year Follow-up. N Engl J Med 2025; 393: 1669–1680