Immer mehr Männer wollen bei der Verhütung Verantwortung übernehmen: Aus wissenschaftlicher Sicht ist das bislang nur mit dem Kondom und mithilfe der Sterilisation des Mannes möglich. Diese sogenannte Vasektomie ist eine sichere Verhütungsmethode für Männer mit abgeschlossener Familienplanung und hat keinen Einfluss auf Erektion, Orgasmus oder Hormonhaushalt. Dennoch wird die Methode hierzulande noch wenig genutzt. Männer, die eine Sterilisation ablehnen, fürchten laut einer aktuellen deutschen Studie, vor allem mögliche Einschränkungen der sexuellen Funktion. Die Studie bestätigt einmal mehr, dass diese Sorge unbegründet ist – und zeigt zudem, dass sexuelle Funktionsstörungen bei Männern mit Vasektomie nicht häufiger, sondern eher seltener auftreten als bei Männern ohne Vasektomie.

Wie beeinflusst eine Vasektomie die Sexualität?

Bei einer Vasektomie handelt es sich um eine meist ambulant durchgeführte chirurgische Methode zur dauerhaften Verhütung beim Mann, bei der die Samenleiter durchtrennt werden, sodass keine Spermien mehr in die Samenflüssigkeit gelangen. In Deutschland entscheiden sich jährlich rund 50.000 Männer für eine Sterilisation. Das sind deutlich weniger als in anderen Ländern wie Australien, wo 27 Prozent der Männer die Vasektomie nutzen. Forschende der Urologischen Klinik des Klinikums rechts der Isar in München haben nun Daten von über 5400 heterosexuellen Männern mittleren Alters ausgewertet, die im Rahmen der Bayerischen Männergesundheitsstudie BMH (Bavarian Men’s Health Study) erhoben wurden. Unter den Befragten waren 679 Männer mit Vasektomie. Der Eingriff lag im Durchschnitt 8,6 Jahre zurück. Männer, die keine Vasektomie wollen, nennen demnach – abgesehen von der Dauerhaftigkeit des Eingriffs – als häufigsten Grund die Angst, eine Vasektomie könnte ihre Sexualität beeinträchtigen. Diese Befürchtung konnte die Studie widerlegen.

Höhere sexuelle Aktivität und geringeres Risiko für erektile Dysfunktion

Von den Männern mit Vasektomie gaben 93 Prozent an, in den letzten drei Monaten sexuell aktiv gewesen zu sein, im Vergleich zu 83,2 Prozent der nicht vasektomierten Männer. Auch die Zufriedenheit mit dem Sexualleben war in der Vasektomie-Gruppe (55,2 Prozent) höher als in der Gruppe der Männer ohne Vasektomie (44,0 Prozent). Die Studie ergab zudem, dass vasektomierte Männer seltener unter erektiler Dysfunktion leiden (12,1 Prozent gegenüber 20,1 Prozent).

Fazit: Vasektomie ohne Nachteile für das Sexualleben

Die Ergebnisse zeigen, dass eine Vasektomie keine negativen Auswirkungen auf die Sexualität hat. Im Gegenteil: Vasektomierte Männer mittleren Alters sind sexuell aktiver und zufriedener als gleichaltrige nicht vasektomierte Männer. Damit liefert die Studie wichtige Informationen für die urologische Beratung von Männern mit abgeschlossenem Kinderwunsch, die für eine sichere Verhütung eine Vasektomie in Erwägung ziehen.

Weitere Informationen zur Vasektomie und Refertilisation

Weitere Informationen zur Vasektomie finden Sie hier auf der Website der Urologischen Stiftung Gesundheit (USG) in unserem Ratgeber „Sterilisation des Mannes“. Über die Möglichkeiten den Eingriff mittels spezieller mikrochirurgischer Verfahren rückgängig zu machen, informiert unser Ratgeber „Refertilisation“.

Außerdem finden Sie in unserer Rubrik „Urologie Kompakt“ ein Erklärvideo zur Sterilisation des Mannes.
Originalquelle: Jahnen M et al. Associations of vasectomy with sexual dysfunctions and the sex life of middle-aged men. Andrology 2024