Chronische Nierenerkrankungen entwickeln sich oft über Jahre unbemerkt: Wenn die Nierenfunktion nachlässt, spüren wir das im Alltag meistens nicht, weil typische Warnsignale wie Schmerzen zunächst fehlen. Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Freiburg weist nun auf eine hohe Dunkelziffer möglicher Nierenerkrankungen in Deutschland hin. Demnach zeigten rund 17,5 Prozent der Studienteilnehmenden – also etwa jede /jeder Sechste – auffällige Nierenwerte bei der Urinuntersuchung. Die große Mehrheit war sich dessen jedoch nicht bewusst. Nur vier Prozent von ihnen gaben an, eine entsprechende ärztliche Diagnose zu haben. Viele Nierenerkrankungen könnten hierzulande folglich unentdeckt bleiben.
Analyse basiert auf der größten Gesundheitsstudie in Deutschland
Bei der Studie des Universitätsklinikums Freiburg handelt es sich um eine aktuelle Auswertung von Daten aus der NAKO-Gesundheitsstudie, der größten bevölkerungsbasierten Langzeitstudie zur Erforschung von Volkskrankheiten in Deutschland. Die Forschenden analysierten Urinproben von 35.461 Teilnehmenden sowie Blutproben
von rund 195.000 Erwachsenen, um die Nierengesundheit zu bewerten.
Mithilfe von Blut- und Urinwerten können die Filterleistung der Nieren, also die Nierenfunktion, überprüft und Nierenschäden frühzeitig erkannt werden.
Studie zeigt viele auffällige Nierenwerte, aber nur wenige Diagnosen
Die Analyse zeigt, dass bei einem großen Teil der Studienteilnehmenden Hinweise auf eine Nierenerkrankung vorlagen – ohne, dass die Betroffenen davon wussten.
Die Studienergebnisse im Detail:
- Auffälligkeiten im Blut: Bei den Blutuntersuchungen von 195.000 Teilnehmenden wiesen rund 5.000 Personen Auffälligkeiten bei der Nierenfunktion auf. Nur 875 Personen gaben an, dass bei Ihnen eine Nierenerkrankung festgestellt worden war.
- Auffälligkeiten im Urin:Bei einer Teilgruppe von rund 35.000 Teilnehmenden wurden Urintests durchgeführt. Hier zeigten 6.213 Personen einen oder mehrere auffällige Werte bei der Nierenfunktion oder für eine Nierenschädigung. Das entspricht 17,5 Prozent der Teilnehmenden – also etwa jeder sechsten Person. Von diesen Betroffenen berichteten lediglich etwa 4 Prozent von einer entsprechenden Diagnose.
Was bedeuten die Studienergebnisse?
Die Ergebnisse deuten auf eine hohe Dunkelziffer möglicher Nierenerkrankungen hin. Die Studienautoren betonen aber, dass eine einmalige Messung nicht für eine Diagnose reiche. Auffällige Werte müssten mit weiteren Tests bestätigt werden.
Um die Früherkennung chronischer Nierenerkrankungen zu verbessern, sei es notwendig, Patientinnen und Patienten sowie Ärztinnen und Ärzte für die Erkrankung zu sensibilisieren und auffällige Erstbefunde zu kommunizieren und zu verfolgen, so die Forschenden.
Prävention und Früherkennung schützen unsere Nieren
Auch Urologinnen und Urologen betonen die Bedeutung der Früherkennung von chronischen Nierenerkrankungen, da eine gezielte Behandlung das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamten oder sogar stoppen kann. Schreiten Nierenerkrankungen hingegen unentdeckt fort, können schließlich die Dialyse oder eine Nierentransplantation notwendig werden.
Besonders wichtig ist die Kontrolle der Nierenwerte für Menschen mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, welche die feinen Filtergefäße der Nieren stark belasten.
Rauchen und Übergewicht erhöhen das Risiko ebenfalls. Nichtrauchen und das Halten von Normalgewicht sind deshalb u.a. wichtige Maßnahmen, um chronischen Nierenerkrankungen vorzubeugen.
Wichtigster Rat: Menschen über 35 Jahre sollten das bestehende Vorsorgeangebot im Rahmen der Gesundheits-Check-ups beim Hausarzt wahrnehmen: Ein einfacher Blut- und Urintest in der hausärztlichen Praxis gibt entscheidende Hinweise auf eine chronische Nierenkrankheit, die gegebenenfalls besprochen und weiter abgeklärt werden sollten.
Allerdings werden bei der gesetzlichen Gesundheitsuntersuchung nicht automatisch alle relevanten Werte erhoben, die für die Beurteilung der Nierengesundheit wichtig sind. So werden bei den Gesundheits-Check-ups nur die Eiweißwerte im Urin untersucht, nicht aber der GFR-Wert zur Beurteilung der Filterleistung der Nieren oder die Kreatininwerte im Blut.
Die Deutsche Nierenstiftung hat in einer Patienteninformation zusammengefasst, worauf es bei der Durchführung des Check-ups ankommt und rät, schon bei der Terminvereinbarung nachzufragen, welche Werte untersucht werden.
Hier geht es zur Patienteninformation der Deutschen Nierenstiftung:
Fazit: Chronische Nierenerkrankungen können lange unentdeckt bleiben: Eine aktuelle
Analyse von Daten der Nako-Gesundheitsstudie legt nahe, dass hierzulande mehr Menschen erkrankt sein könnten als bisher angenommen, weshalb Aufklärung und Früherkennung verbessert werden sollten.
Weitere Informationen:
Mehr Empfehlungen zum Schutz der Nieren finden Sie hier auf der Website der Urologischen Stiftung Gesundheit:
https://urologische-stiftung-gesundheit.de/weltnierentag-2026-nierenschutz/
Weitere Informationen zur Studie des Universitätsklinikums Freiburg lesen Sie auf dessen Website unter folgendem Link:
Originalpublikation:
Sekula P, Butz E, Schaeffner E, et al. Glomerular Filtration Rate, Albuminuria, and Reported Kidney Disease in Comparison: Results From the German National Cohort (NAKO). Dtsch Arztebl Int. Published online June 26, 2026. doi:10.3238/arztebl.m2026.0053
