Wiederkehrende Harnwegsinfekte sind für viele Frauen eine große Belastung und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Sie verursachen Beschwerden wie Brennen beim Wasserlassen, häufigen Harndrang und Schmerzen im Unterbauch. Eine aktuelle Studie aus Nordamerika deutet nun darauf hin, dass die Ernährung einen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko haben könnte. Frauen, die sich fleischlos ernähren, erkranken demnach seltener an Harnwegsinfektionen.

 

Große Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Ernährung und Harnwegsinfekten

 

Harnwegsinfektionen (HWI) sind Entzündungen der Harnwege und können Nieren, Harnleiter, Harnröhre und die Harnblase betreffen. Dabei ist die Harnblasenentzündung die mit Abstand häufigste Form des Harnwegsinfekts.

Verursacht werden die meisten Harnwegsinfektionen bei Frauen durch Bakterien (Escherichia coli), die aus dem Darm in die Harnwege gelangen.

In einer großen nordamerikanischen Studie (Daten aus der Adventist Health Study-2) analysierten Forschende nun die Daten von 57.252 Frauen und untersuchten, ob sich das Risiko für wiederkehrende Harnwegsinfekte je nach Ernährungsweise unterscheidet. Die Ergebnisse wurden zunächst auf der Jahrestagung der American Urological Association 2026 vorgestellt und inzwischen in der Fachzeitschrift Urology veröffentlicht.

 

Veganerinnen waren seltener von Harnwegsinfektionen betroffen

 

Insgesamt berichteten 13,1 Prozent der Teilnehmerinnen über wiederkehrende Harnwegsinfekte. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Ernährungsformen:

  • 14,2 Prozent der Nicht-Vegetarierinnen waren betroffen.
  • Bei Vegetarierinnen, die Fisch essen (sogenannte Pesco-Vegetarierinnen), lag der Anteil bei 13,5 Prozent.
  • Unter Vegetarierinnen, die Milchprodukte und Eier konsumieren, (sogenannte Lacto-Ovo-Vegetarierinnen), waren es 11,6 Prozent.
  • Bei Veganerinnen, die ausschließlich pflanzliche Lebensmittel, wie Obst, Gemüse, Getreide, Nüsse und Hülsenfrüchte essen, lag der Anteil mit 10,3 Prozent am niedrigsten.

 

Pflanzliche Ernährung könnte vor wiederkehrenden Harnwegsinfektionen schützen

 

Auch nachdem die Wissenschaftler bekannte Risikofaktoren wie Alter, Diabetes, Menopause und Body-Mass-Index berücksichtigt hatten, blieb der Zusammenhang bestehen.

Demnach hatten Vegetarierinnen, die Milchprodukte und Eier konsumieren ein um 23 Prozent geringeres Risiko für wiederkehrende Harnwegsinfekte als Frauen, die Fleisch essen. Bei Veganerinnen war das Risiko sogar um 31 Prozent niedriger.

 

Welche Rolle spielt die Darmflora?

 

Die beiden Ernährungsformen, die sowohl auf Fleisch als auch auf Fisch verzichten, zeigten somit den stärksten Zusammenhang mit selteneren wiederkehrenden Harnwegsinfekten. Die Forschenden nehmen an, dass die Darmflora eine wichtige Rolle spielen könnte und Menschen, die sich pflanzlich ernähren häufiger eine günstigere bakterielle Besiedlung des Darms aufweisen. Konkret vermuten die Autoren, dass sich bei pflanzlicher Kost weniger virulente (krankheitsauslösende) Bakterienstämme im Darm ansiedeln, die Harnwegsinfekte begünstigen. Offen ist, ob darüber hinaus der Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung eine Rolle spielt, etwa über die Übertragung resistenter E.-coli-Stämme durch Fleisch.

 

Was bedeuten die Studienergebnisse?

 

Die Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und dem Risiko für wiederkehrende Harnwegsinfekte. Sie beweist jedoch nicht, dass eine vegetarische oder vegane Ernährung direkt vor Harnwegsinfekten schützt. Weitere Studien müssen nun klären, welche biologischen Mechanismen hinter diesem Zusammenhang stehen. Zu berücksichtigen ist außerdem, dass die Daten aus einer großen Kohorte von Siebenten-Tags-Adventistinnen in den USA und Kanada stammen, einer gesundheitsbewussten Bevölkerungsgruppe mit insgesamt niedrigem Alkohol- und Nikotinkonsum. Wie gut sich die Ergebnisse auf die Allgemeinbevölkerung übertragen lassen, ist daher noch offen.

Die Studienautoren betonen, dass in Zeiten zunehmender Antibiotikaresistenzen eine nicht-antibiotische Vorbeugung durch Ernährungsumstellung hin zu einer stärker pflanzenbasierten Kost das Spektrum der vorbeugenden Maßnahmen bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen ergänzen könnte.

 

Fazit

Frauen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, hatten in dieser großen Studie seltener wiederkehrende Harnwegsinfekte als Nicht-Vegetarierinnen. Ob die Ernährung tatsächlich ursächlich für den beobachteten Schutzeffekt verantwortlich ist, muss noch weiter erforscht werden.

 

Weiterführende Informationen

Mehr zum Thema wiederkehrende Harnwegsinfektionen und vorbeugenden Maßnahmen lesen Sie hier auf dem Patientenportal der Urologischen Stiftung Gesundheit unter folgendem Link:
https://urologische-stiftung-gesundheit.de/besser-leben-mit-harnwegsinfektionen/

 

Quelle: Comiter JR, Elliott CS, Fraser GE, Mathew RO, Comiter CV. Differences in the Prevalence of Recurrent Urinary Tract Infections in Women Based on Dietary Habits.
Urology. 2026. doi: 10.1016/j.urology.2026.06.002