Das persönliche Risiko für eine Krebserkrankung senken: 14 wissenschaftlich gesicherte Handlungsempfehlungen dafür hat die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem neuen Leitfaden zusammengefasst. Die aktualisierte fünfte Auflage des „Europäischen Kodex zur Krebsbekämpfung“ wurde jüngst in deutscher Sprache zum Weltkrebstag am 4. Februar veröffentlicht. Einige dieser Empfehlungen sind unmittelbar mit der Vorbeugung von urologischen Krebserkrankungen verbunden und deshalb auch für den Erhalt Ihrer urologischen Gesundheit wichtig.
Krebs in Deutschland: Zahlen und Fakten
In Deutschland erkrankt dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge nahezu jeder zweite Mensch im Laufe seines Lebens an Krebs. Die Krankheit betrifft laut dem RKI 49 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen.
Wie das Institut in seinem aktuellen Bericht „Krebs in Deutschland“ mitteilt, erkrankten 2023 hierzulande rund 518.000 Menschen neu an Krebs. Etwa die Hälfte der erfassten Fälle betrafen die Brustdrüse (75.900), Prostata (79.600), Lunge (58.300) oder den Dickdarm (55.300).
Die Krebsstreberaten in Deutschland sind laut dem RKI in den letzten 25 Jahren bei Frauen um 21 Prozent bzw. bei Männern um 31 Prozent gesunken. Eine weitere wichtige Zahl aus dem RKI-Bericht betrifft die Prävention: Demnach ließen sich in Deutschland mindestens 37 Prozent aller Krebsneuerkrankungen durch Vermeidung bekannter Risikofaktoren verhindern.
Das Präventionspotenzial nutzen!
Diese Zahlen unterstreichen eindringlich die Bedeutung von krebsvorbeugendem Verhalten. Eine aktuelle Anleitung dafür bietet nun der neue Europäische Kodex zur Krebsbekämpfung. Der Leitfaden bezieht sich auf persönliche Verhaltensfaktoren sowie Umweltfaktoren und medizinische Behandlungen und umfasst wissenschaftlich gesicherte Handlungsempfehlungen, die Menschen helfen, ihr persönliches Krebsrisiko durch Prävention zu verringern.
Das persönliche Krebsrisiko senken: Neuer EU-Kodex gegen Krebs gibt 14 Empfehlungen
Um welche konkreten Maßnahmen geht es bei der Prävention von Krebs? Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat ihre Präventionsempfehlungen auf der Basis aktueller Studien verschärft und in jetzt 14 Regeln für Europa gebündelt. Einige der Empfehlungen aus dem EU-Kodex gegen Krebs sind unmittelbar mit der Vorbeugung von urologischen Krebserkrankungen verbunden, wie nachfolgende Übersicht zeigt.
- Rauchen: Die aktuelle Empfehlung geht über den Verzicht auf Tabak hinaus und warnt nun ausdrücklich auch vor dem Konsum von E-Zigaretten und Vapes.
- Diese Handlungsempfehlung der EU ist in der Urologie von größter Bedeutung: Der Verzicht auf Tabakkonsum ist die wichtigste Maßnahme, um sich vor Blasenkrebs zu schützen. Rauchenist der größte Risikofaktor, da Schadstoffe aus dem Rauch über den Urin in die Blase gelangen. Mehr zum Thema Blasenkrebs und das wichtigste Warnsignal dieser Erkrankung bietet übrigens die brandaktuelle Aufklärungs-Kampagne der Urologischen Stiftung Gesundheit unter:
https://urologische-stiftung-gesundheit.de/erkrankungen/blasenkrebs/ - Außerdem ist Nichtrauchen eine wichtige Präventionsmaßnahme gegen Nierenkrebs, denn Tabakkonsum zählt, neben Übergewicht und Bluthochdruck, zu den gesicherten Risikofaktoren für die Entstehung von Nierenkrebs.
- Passivrauchen: Tabakrauch in Wohnräumen und Fahrzeugen soll vermieden werden.
- Übergewicht und Fettleibigkeit: Der Kodex empfiehlt Maßnahmen, um Übergewicht und Adipositas zu vermeiden oder zu reduzieren. Neu ist die Empfehlung, den Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel zu verringern.
- Auch diese EU-Empfehlung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Prävention urologischer Tumoren: Übergewicht und Fettleibigkeit zu vermeiden, verringert nicht nur das Risiko für Nierenkrebs.
- Obwohl die exakten Ursachen für Prostatakrebs nicht vollständig geklärt sind, gibt es verschiedene Risikofaktoren, die das Auftreten dieser Krankheit begünstigen können. So kann ein hoher Body-Mass-Index (BMI) mit einem erhöhten Risiko für fortgeschrittenen Prostatakrebs verbunden sein. Weitere Informationen über Risikofaktoren von Prostatakrebs finden Sie unter folgendem Link: https://urologische-stiftung-gesundheit.de/haeufige-fragen/was-sind-die-risikofaktoren-fuer-prostatakrebs/
- Bewegung: Empfohlen wird regelmäßige Bewegung im Alltag und möglichst wenig Zeit im Sitzen zu verbringen.
- Ernährung: Hier wird vor allem zu Vollkornprodukten, Gemüse, Hülsenfrüchten und Obst geraten. Rotes und verarbeitetes Fleisch sollte wenig gegessen bzw. vermieden werden.
- Auch eine gesunde Ernährung kann zur urologischen Krebsprävention beitragen: Eine Ernährung, die reich an tierischen Fetten ist, und ein niedriger Verzehr von Obst und Gemüse, könnte das Risiko für Prostatakrebs erhöhen.
- Alkohol: Der neue Kodex rät nun zum vollständigen Verzicht auf alkoholische Getränke.
- Stillen: Neu ist auch die Empfehlung, Babys solange wie möglich zu stillen, um das Brustkrebsrisiko der Mutter zu senken.
- Sonneneinstrahlung: Zuviel Sonnenstrahlung soll dem Kodex zufolge vermieden und Sonnenschutz verwendet werden. Auf die Nutzung von Solarien soll nun vollständig verzichtet werden.
- Risikofaktoren für Krebs am Arbeitsplatz: Der Kodex rät u.a., sich über Risiken bei der Arbeit zu informieren und entsprechenden Schutz einzufordern.
- Der Schutz vor Risiken am Arbeitsplatz ist in der Urologie ebenfalls relevant:Langjähriger Umgang mit bestimmten Chemikalien – zum Beispiel in der chemischen Industrie oder beim Färben von Textilien – kann das Risiko für Blasenkrebs erhöhen.
- Zudem könnte eine Exposition gegenüber bestimmten Chemikalien wie Pestiziden das Risiko für Prostatakrebs erhöhen.
- Radongas in Innenräumen: Empfohlen wird, sich mittels lokalen Radonkarten über die Radonkonzentration zu informieren und Belastungen in Innenräumen ggf. mit professioneller Hilfe zu reduzieren.
- Luftverschmutzung: Die Belastung durch Luftverschmutzung wird erstmals als eigenständiger Risikofaktor benannt. Wer beispielsweise draußen Sport treibt, zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist, sollte laut Kodex verkehrsarme Strecken nutzen.
- Krebsauslösende Infektionen: Gegen krebsauslösende Infektionen rät der Kodex u.a., Mädchen und Jungen gegen Hepatitis B und humane Papillomaviren (HPV) impfen zu lassen.
- Krebsauslösende Infektionen spielen auch in der Urologie eine Rolle, denn eine Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV)kann u.a. Peniskrebs verursachen. Die HPV-Impfung schützt Jungen vor dieser Erkrankung und ist eine wichtige Präventionsmaßnahme, die von Urologen ausdrücklich empfohlen wird.
- Hormonersatztherapie: Eine Hormonersatztherapie sollten Frauen mit Wechseljahresbeschwerden nur nach ärztlicher Beratung und über einen möglichst kurzen Zeitraum einsetzen.
- Bestehende Krebsvorsorgeprogramme: Der Kodex empfiehlt, die im jeweiligen EU-Land bestehenden Krebsfrüherkennungsprogramme wahrzunehmen.
- Und natürlich raten Urologen Männern dazu, nach entsprechender Beratung die Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs wahrzunehmen.
Der EU-Kodex richtet sich an Einzelpersonen, nimmt aber in seiner neuen Auflage erstmals die Politik in die Pflicht und fordert beispielsweise höhere Steuern auf Tabak- und Nikotinprodukte und stark verarbeitetes Fleisch, den Ausbau von Impfprogrammen und besseren Arbeitsschutz.
In Gänze und in der Originalübersetzung finden Sie den Europäischen Kodex zur Krebsbekämpfung unter folgendem Link:
https://cancer-code-europe.iarc.who.int/de/startseite/
Fazit für Ihre urologische Gesundheit
Viele der genannten Handlungsempfehlungen, wie der Verzicht auf das Rauchen und die Vermeidung von Übergewicht, sind direkt mit der Vorbeugung von urologischen Tumoren verbunden. Der neue EU-Kodex gegen Krebs bietet deshalb einen wichtigen Maßnahmenkatalog, um das persönliche Risiko auch für urologische Krebserkrankungen zu senken.
