Erektionsprobleme sind weit verbreitet – und oft mehr als eine Frage der Psyche. Eine aktuelle Querschnittstudie mit 796 Männern legt nahe, dass Erektionsstörung und Herzschwäche eng zusammenhängen. Bei sechs von zehn Teilnehmern mit erektiler Dysfunktion zeigte sich demnach eine systolische Funktionsstörung der linken Hauptkammer des Herzens.

In der gleich großen Kontrollgruppe ohne Erektionsstörungen war dies nur bei jedem vierten Mann der Fall. Für Betroffene heißt das: Erektionsstörungen können ein Frühwarnsignal für eine beginnende, oft noch symptomarme Herzschwäche sein.

Was wurde untersucht?

Alle Teilnehmenden – im Schnitt 61 Jahre alt, Body-Mass-Index 26,3 kg/m² – durchliefen ein standardisiertes Herz-Check-up mit EKG und Herzultraschall. Neben klassischen Messungen wie der linksventrikulären Auswurffraktion nutzten die Forschenden auch modernere Verfahren wie den Global Longitudinal Strain (GLS).

Damit ließen sich subtile Veränderungen des Herzmuskels sichtbar machen – oft früher, als es die Auswurffraktion zeige. Genau solche frühen Funktionsstörungen traten bei Männern mit erektiler Dysfunktion deutlich häufiger auf.

Warum betrifft das nicht nur die Sexualität?

Eine Erektion braucht u. a. gut durchblutete Gefäße. Werden Arterien enger (z. B. durch Bluthochdruck, Diabetes, hohe Blutfette, Rauchen), zeigt sich das in den feinen Penisgefäßen oft früher als in den großen Herzkranzgefäßen. Erektionsstörungen können so Jahre vor typischen Herzsymptomen wie Luftnot, Brustdruck oder Leistungsknick auftreten.

In der Studie waren die Befunde bei 5 % der Männer mit Erektionsproblemen sogar so auffällig, dass sie sofort zur weiterführenden kardiologischen Abklärung überwiesen wurden.

Was die Studie nicht sagt

Die Untersuchung ist eine sogenannte Querschnittstudie – d. h., sie zeigt einen Zusammenhang, aber beweist keine direkte Ursache-Wirk-Beziehung. Nicht jede Erektionsstörung ist also kardiologisch bedingt; auch psychische Faktoren, hormonelle Störungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten spielen hier häufig eine große Rolle.

Dennoch ist der hohe Anteil an Herzfunktionsstörungen bei Männern mit Erektionsproblemen ein starkes Argument, Herz und Gefäße systematisch mit in den Blick zu nehmen, so die Autoren.

Fazit: Erektile Dysfunktion als Indiz für Herzerkrankungen

Erektionsstörungen können ein medizinischer Hinweisgeber sein. Denn diese Studie legt nahe, dass in rund sechs von zehn Fällen zusätzlich zur Erektionsstörung eine messbare Herzschwäche vorliegt.
Damit bestätigt die aktuelle Studie erneut den Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-System und Erektionsstörungen. Urologinnen und Urologen bezeichnen den Penis deshalb häufig auch als „die Antenne des Herzens“.

Wer von Erektionsproblemen betroffen ist, sollte also nicht nur an Potenzmittel denken, sondern auch an eine Check-up-Runde fürs Herz. Früh erkannt, lässt sich das Risiko für Herzinfarkt und Herzschwäche deutlich senken — und die Lebensqualität steigt.

Weitere Informationen

Sie interessieren sich darüber hinaus für Informationen rund um die Therapie der Erektionsstörung sowie für urologische Gesundheit und das Herz im Allgemeinen? Dann könnten die folgenden Links auf den Seiten der Urologischen Stiftung Gesundheit für Sie sicher einen genaueren Blick wert sein:

  1. Wie funktioniert die medikamentöse Behandlung der erektilen Dysfunktion?
  2. Länger leben und urologischen Problemen vorbeugen: Fünf Risikofaktoren gilt es, zu vermeiden
  3. Auch die urologische Gesundheit ist bedroht: Doping und Schmerzmittelmissbrauch im Breitensport

Quelle

Durukan E et al., Prevalence of cardiac dysfunction in men with erectile dysfunction: the EDcard study. BJU Int 2025; doi:10.1111/bju.16824