Mit dem neuen Wehrdienst kommt die Musterung zurück – und damit auch die für viele junge Männer schambesetzte Hodenuntersuchung. Sie ist im neuen Wehrdienstmodell weiterhin fester Bestandteil der medizinischen Begutachtung. Mit der umgangssprachlich oft als „Eierkontrolle“ bezeichneten Untersuchung kann beispielsweise ein unentdeckter Leistenbruch, ein Hodenhochstand, aber eben auch ein Hodentumorerkannt werden. Für den Urologen Prof. Axel Merseburger, Mitglied im Medical Board der Urologischen Stiftung Gesundheit (USG) und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., ist die Musterung zudem ein guter Anlass, systematisch über Hodenkrebs und die Selbstabtastung zur Früherkennung aufzuklären.

Seit dem 1. Januar 2026 in Kraft: das Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes 

 Das Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes („Wehrdienst-Modernisierungsgesetz“) ist seit dem 1. Januar 2026 in Kraft. Der neue Wehrdienst bleibt freiwillig, allerdings sind junge Männer ab dem Geburtsjahr 2008 dazu verpflichtet, einen Fragebogen auszufüllen und sich mustern zu lassen. Für Frauen ist dies freiwillig.

Bereits in diesen Tagen sollen junge Menschen des Jahrgangs 2008, die bereits die Volljährigkeit erreicht haben, Post von der Bundeswehr erhalten. Der Brief enthält einen QR-Code, der zu einem Onlinefragebogen führt, in dem unter anderem die Bereitschaft zum freiwilligen Wehrdienst abgefragt wird.

Gilt die Pflicht zur Musterung für alle Männer eines Jahrgangs?

Die Musterung ist für alle Männer, die ab dem 1. Januar 2008 geboren wurden, verpflichtend. Wegen mangelnder Musterungskapazitäten werden die Musterungen jedoch schrittweise erfolgen und erst nach und nach auf den gesamten Jahrgang 2008 ausgedehnt. Zunächst werden diejenigen zur Musterung eingeladen, die ihre Bereitschaft zum freiwilligen Wehrdienst in der Online-Befragung erklärt haben.

Was passiert bei der Musterung?

Am Tag der Musterung werden die körperliche, die psychische und die intellektuelle Eignung festgestellt. Die Musterungszentren sollen hell und freundlich gestaltet sein, und statt der oft als einschüchternd empfundenen Prozedur vergangener Jahrzehnte soll die ärztliche Untersuchung einem modernen Gesundheits-Check-up gleichen. Neben Sehtest, Urintest, Feststellung von Körpergröße, Gewicht und Belastungsparametern ist die besagte Hodenuntersuchung Teil der medizinischen Untersuchung.

Auch die Tastuntersuchung der Hoden gehört dazu

Die Hodenuntersuchung dient dazu, spezifisch urologische Risiken und körperliche Einschränkungen frühzeitig zu erfassen, welche die Dienstfähigkeit beeinträchtigen könnten. Dazu gehört die Feststellung von unentdeckten Leistenbrüchen oder Hodenfehllagen. Auch Krampfadern am Hoden oder Entzündungen des Nebenhodens können so identifiziert werden. Das Abtasten der Hoden dient außerdem dem Aufspüren von Knoten, Verhärtungen oder Schwellungen, die auf Hodenkrebs hinweisen könnten – dem häufigsten bösartigen Tumor bei Männern im Alter zwischen 20 und 40 Jahren.

Prof. Dr. Axel Merseburger: Nicht nur untersuchen, sondern auch informieren!

Prof. Axel Merseburger aus dem Medical Board der Urologischen Stiftung Gesundheit sieht die Musterung deshalb als eine gute Gelegenheit an, junge Männer zudem systematisch auf das Risiko für Hodenkrebs in der für eine Musterung typischen Altersgruppe und die Möglichkeiten der Früherkennung aufzuklären. „Medizinisch sinnvoll wäre, die Musterung zusätzlich dafür zu nutzen, die jungen Männer über Hodenkrebs und die Selbstabtastung zu informieren – also nicht nur zu untersuchen, sondern Gesundheitskompetenz zu vermitteln“, sagte der Urologe Ende 2025 gegenüber der Rheinischen Post.

Die Urologische Stiftung Gesundheit informiert: So funktioniert der Hodencheck

Gebündelte Informationen, mit denen Sie Ihre Gesundheitskompetenz zum Thema Hodenkrebs stärken, finden Sie natürlich hier auf der Website der Urologischen Stiftung Gesundheit. So empfehlen Urologinnen und Urologen zur Früherkennung von Hodenkrebs allen Jungen und Männern zwischen 14 und 45 Jahren die regelmäßige Selbstuntersuchung der Hoden. Männern mit vorhandenen Risikofaktoren für Hodenkrebs, wie einer Vorerkrankung mit einseitigem Hodenkrebs, einem Hodenhochstand in der Kindheit, Hodenkrebserkrankungen von Vater oder Brüdern sowie Unfruchtbarkeit, raten die Experten zu besonderer Aufmerksamkeit.

Weitere Informationen und eine Anleitung zur Tastuntersuchung finden Sie unter folgendem Link: https://urologische-stiftung-gesundheit.de/hodencheck/

Über Häufigkeit, Risikofaktoren, Symptome sowie Diagnose und Behandlung der Krebserkrankung informiert unser Ratgeber Hodenkrebs: https://urologische-stiftung-gesundheit.de/ratgeber/hodenkrebs-hodenkarzinom/

Mehr zum neuen Wehrdienst lesen Sie auf der Website des Bundesministeriums der Verteidigung unter folgenden Links:
https://www.bmvg.de/de/neuer-wehrdienst
https://www.bmvg.de/de/presse/neuer-wehrdienst-6054404