Vitamin C gilt für viele Menschen in Deutschland gerade in den Wintermonaten als harmloser Immunbooster. In der Erkältungszeit greifen sie zu hoch dosierten Präparaten aus Apotheke, Drogerie oder Online-Shop. Doch aktuelle Analysen zeigen: Zu viel Vitamin C kann Nierensteine fördern – und dieses Risiko ist den meisten Verbraucherinnen und Verbrauchern bislang kaum bekannt.
Vitamin C – lebenswichtig, aber nur begrenzt speicherbar
Vitamin C, welches auch Ascorbinsäure genannt wird, ist für den Körper unverzichtbar. Es unterstützt das Immunsystem, ist wichtig für die Kollagenbildung und wirkt als Antioxidationsmittel. Da der Mensch Vitamin C allerdings nicht selbst herstellen kann, muss es über die Nahrung aufgenommen werden. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse deckt den Tagesbedarf in der Regel problemlos ab.
In nicht wenigen Fällen greifen die Menschen jedoch auf hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel zurück. Während der empfohlene Tagesbedarf für Erwachsene in Deutschland bei etwa 95–110 mg liegt, enthalten nicht wenige Präparate 500 mg, 1.000 mg oder sogar mehr Vitamin C pro Tag. Dieser Überschuss an Vitamin C reichert sich zwar nicht im Körper an, wird aber vor allem über die Nieren ausgeschieden – und genau hier liegt dann auch das eigentliche Risiko.
Hohe Dosen belasten die Nieren
Wissenschaftliche Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen hohen Vitamin-C-Dosen und einem erhöhten Risiko für die Bildung von Nierensteinen. Der Grund dafür ist einfach: Vitamin C wird im Körper teilweise zu Oxalat abgebaut. Oxalat kann sich mit Kalzium verbinden und bildet schließlich sogenannte Kalziumoxalat-Nierensteine.
Besonders gefährdet für Nierensteine sind:
- Menschen mit bereits bestehenden oder früheren Nierensteinen,
- Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion sowie
- Männer, bei denen Studien ein höheres allgemeines Risiko für Nierensteine zeigten als bei Frauen.
Schon tägliche Dosierungen ab etwa 500 mg Vitamin C können bei empfindlichen Personen die Oxalatausscheidung im Urin deutlich erhöhen. Bei sehr hohen Dosen (≥ 1.000 mg täglich) steigt das Risiko sogar noch weiter an.
Für Menschen mit bekannter Nierenerkrankung werden zudem teils deutlich niedrigere Mengen von nur 50–100 mg Vitamin C pro Tag empfohlen.
Kaum Warnhinweise auf Produkten
Doch es gebe noch ein weiteres Problem, erinnern die Forschenden in ihrem aktuellen Bericht: Die meisten Produkte enthalten hohe Dosierungen von Vitamin C, aber nur ein sehr kleiner Teil weise explizit auf mögliche Nierenrisiken hin. Dabei überschritten mehr als drei Viertel der untersuchten Präparate die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfohlene Höchstmenge von 250 mg pro Tag für Nahrungsergänzungsmittel, wie es weiter heißt.
Viele Verbraucherinnen und Verbraucher würden daher fälschlich davon ausgehen, dass frei verkäufliche Präparate grundsätzlich sicher seien – auch bei langfristiger Einnahme.
Braucht man überhaupt Vitamin-C-Tabletten?
Für die meisten gesunden Menschen laute die Antwort auf diese Frage: nein. Eine abwechslungsreiche, „normale“ Ernährung liefere ausreichend Vitamin C, schreiben die Autoren weiter.
Der Nutzen von hoch dosierten Präparaten sei ohnehin gering. Sie verhindern auch keine Erkältungen und verkürzen deren Dauer nur leicht. Dem gegenüber stehen mögliche Nebenwirkungen wie eben das Risiko für Nierensteine.
Fazit: Vorsicht mit hoch dosiertem Vitamin C
Vitamin C ist wichtig, aber längst kein harmloses „Wundermittel“, erinnern die Forschenden. Wer regelmäßig hoch dosierte Präparate einnimmt, setzt seine Nieren unter unnötigen Stress. Besonders Menschen mit Nierenproblemen oder früheren Nierensteinen sollten Vitamin C nur in niedriger Dosierung und nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.
Für alle anderen gelte: Eine ausgewogene obst- und gemüsereiche Ernährung ist und bleibt die sicherste und gesündeste Quelle für Vitamin C.
Sie möchten gern mehr erfahren über Harn- oder Nierensteine und den Umgang mit ihnen? Dann lesen Sie doch gleich hier auf den Seiten der Urologischen Stiftung Gesundheit weiter:
Quelle
Decke J & Seifert R. Market analysis of vitamin C-containing dietary supplements in Germany and the USA: Consumer information and risks and benefits. Naunyn-Schmiedeberg’s Archives of Pharmacology 2025; 398: 15807–15823
